Gran Canaria - Dedo del Dios


Gran Canaria, wir velassen Puerto de la Neves.

Die Gegend von "Las Estrellas"


Auf dem Weg zu "Parque Nacional del Teide".







Pico del Viejo




"Parque Nacional del Teide"











Ausflug auf Teneriffa, Montag, 23.03.2002


Gestern war der fünfte Tag unseres Aufenthalts auf Gran Canaria (Kanarische Inseln). Wir haben ihn in Agaete verbracht, auf der westlichen Küste der Insel. Dank unserem goldenen Fiat Punto, den wir bei „Autos y Motos Rocamar“ für ein paar Tage gemietet haben, konnten wir die Insel tatsächlich kennen lernen. Die Autovermietung haben wir ganz zufällig nach langen Umwegen 100 m von unserem Hotel „Cura del Sol“ gefunden. Der Besitzer, ein netter, älterer und vertrauensweckender Herr, hat uns ein besonderes Angebot gemacht:105 € für vier Tage. Wir waren froh jetzt wirklich mobil zu sein, die stillen Ecken der Insel entdecken zu können, die vom Massentourismus noch verschont sind. Agaete war eben so ein kleines Städtchen, frei von großen Hotelanlagen und noch nicht von Touristen erobert. Mit seiner niedrigen Bebauung und Fischbratereien erinnerte es eher an ein Fischerdorf. Während wir leckere Paella in einem Hafenrestaurant aßen, legte eine riesige Fähre der Fred. Olsen Company im Hafen an. Es musste sicherlich der Einfluss des „Dedo del Dios“ (Gottesfinger) gewesen sein - ein großer Gipfel über der Stadt - dass wir uns plötzlich entschieden, einen Ausflug nach Teneriffa zu unternehmen.

Die Fähre für zwei Personen und Auto, hin und zurück, kostete etwa 150 €. Zwischen Gran Canaria und Teneriffa verkehrten zwei Fähren, die gleichzeitig die Häfen in Agaete und Santa Cruz de Teneriffa verließen, um sich in der Hälfte der Strecke zu treffen. Für die Entfernung von etwa 80 Km benötigten sie eine gute Stunde. Wir wollten die Fähre um 9.00 Uhr nehmen, um möglichst früh auf Teneriffa zu sein. Die Nacht vor unserem Ausflug verbrachten wir richtig unruhig. Jede Stunde wachten wir auf, um die Zeit zu kontrollieren. Wir hatten keinen Wecker. Um 5 Uhr 30 standen wir auf. Nach einer schnellen Fahrt zum etwa 200 km von Puerto Rico entfernten Agaete waren wir pünktlich um 8 Uhr im Hafen. Im Büro der Fred. Olsen Company versuchte ein junger Angestellter in gebrochenem Englisch unsere Fragen ausführlich zu beantworten. Wir warteten noch eine halben Stunde und betraten die Fähre. Der Innenraum mit wenigen Passagieren, die eher Einheimische, als Touristen zu sein schienen, erinnerte eher an ein Flugzeug und wir streckten uns in den Sesseln aus. Und ähnlich wie im Flugzeug hingen von der Decke Monitore, die uns zuerst über die Rettungsmaßnamen auf Spanisch und Englisch informierten. Der nächste Film warb für die Schönheit der Inseln und das Kunsthandwerk des Landes.

Im Gegensatz zu Aleksandra erwartete ich nicht viel von Teneriffa. Eine Karte wies auf einen großen Berg in der Mitte der Insel, und sonst ziemlich flaches und uninteressantes Land. Während unseres zweiwöchigen Aufenthalts auf den Kanarischen Inseln erlebten wir immer die gleiche Enttäuschung. Ob es der Anflug auf Gran Canaria, die Ankunft in Teneriffa, Lanzarote oder Fuerteventura war, zuerst erschien uns das Land ausgetrocknet, karg und langweilig. Je trostloser aber der Eindruck am Anfang war, desto größer wurde unsere Bewunderung nach besserem Erkunden später. So auch diesmal.

Nachdem die Fähre den Hafen Santa Cruz de Teneriffa erreichte, gönnten wir uns eine Stunde Pause. Die Stadt erschien ziemlich hektisch. Die Leute auf der Straße und die Händler waren aber nett und halfen gern bei allen Fragen. Obwohl wir kein Spanisch konnten, waren die notwendigen Einkäufe leicht erledigt. Zu den wichtigsten gehörten Musikkassetten, die leider auf den Kanaren ziemlich teuer sind. Trotzdem, konnten wir uns die lange Autofahrt ohne Musikbegleitung nicht vorstellen. Jedes mal, auch Monate später, wenn wir nur die Musik von Sade oder Enigma hörten, dachten wir sofort an unseren Urlaub auf den Kanaren.

Um etwa 12 Uhr fuhren wir weiter nach Süden, Richtung Los Cristianos. Auf der Autobahn kamen wir gut voran. Das Land sah wie ausgestorben aus.. Bizarre Hügel waren spärlich mit kleinen Büschen bewachsen. Alles war braun oder grau. Man sah keine Menschensiedlungen. Es schien, als ob sogar Touristen diese Gegend mieden. Nach 40 Minuten Fahrt entlang der Küste erreichten wir Los Cristianos. Hier im Süden der Insel stach die Sonne kräftig. Wir mussten nur parken und sahen schon einen der allgegenwärtigen „Spar“märkte. Versorgt mit Joghurt (der dort übrigens viel besser als in Deutschland schmeckt), Brötchen und ein paar Süßigkeiten begaben wir uns auf die Suche nach dem Meer. Ein seltsamer Anblick: Auf dem steinigen Strand brieten Einheimische und Touristen nebeneinander. Am Kai, wenige hundert Meter weiter, lag ein großes Kreuzfahrtschiff, das vielleicht für Fahrten rund um die Welt gedacht war, aber in diesem kleinem Hafen einen unheimlichen Eindruck machte. Segeljachten, Motorboten, moderne Schiffe, antike Korvetten, auf dem Strand liegende oder badende Leute, alles schien miteinander zu harmonieren. Das Wasser war nicht besonders sauber. Das Baden erfrischte aber und kühlte bei der Temperatur von 33 Grad. Wir verließen diese von Menschen pulsierende Stadt. Vor uns unser Ziel: der höchste Berg der Insel Pico del Teide, 3718 M hoch. der gleichzeitig der höchste Berg Spaniens war. Die Autobahn von Los Cristianos Richtung Tamaimo endete bald. Wir bogen rechts ab. Jetzt führte der Weg nur nach oben. Die Landschaft sah zunächst nicht aufregend aus. Je höher wir kamen, desto karger und kälter wurde es. Es bewölkte sich auch zunehmend. Plötzlich sahen wir links eine andere Insel, die nicht weit entfernt schien. Wir rieten: La Palma, La Gomera, El Hierro. Nach einem Blick auf die Karte wurde uns klar – natürlich La Gomera. Wir hielten vor einem Restaurant mit dem „strahlenden“ Namen „Las Estrellas“ und bestellten zwei Tassen Kaffee. Im Vergleich zu vielen anderen auf den Kanaren getrunkenen Kaffees schmeckte er hier wirklich gut. In der Speisekarte konnten wir nichts typisch spanisches entdecken. Alle Gerichte erinnerten an ein deutsches Restaurant. Erfrischt fuhren wir weiter und unser Staunen ging in Begeisterung über. Kiefern wuchsen direkt aus dem Lavagestein. Bizarre Formen weckten unsere Fantasie. Wir entdeckten Vögel, Schaffen, die Konturen eines Teufels. Einige dieser Steinen nahmen wir mit. Die Erde sah wie ausgebrannt aus. Noch einige Kilometer weiter und wir erreichten ein Plateau, wo der Weg endete. Wir mussten schon relativ hoch sein. Die schwarzen, steinigen Abschnitte der Landschaft grenzten an gelbliche, sandige Flächen. Links war ein großer Berg zu sehen, ein richtiger Vulkan. Es musste der Pico Viejo sein, 3134 m hoch. Wir blieben einen Moment stehen. Eine Tafel in mehreren Sprachen informierte über seine Geschichte. Die letzte Eruption fand 1909 in der Nähe von Santiago del Teide statt. Von weitem betrachteten wir den Vulkan. Ein ruhiger und gleichzeitig furchterregender Gipfel. Wolken segelten in Augenhöhe vorbei. Sie tauchten auf und verschwanden. Ein Spiel von Licht, Farben und Formen. Und hier die Luft, so viel Luft, kristallklar, erfrischend. Wir standen eine Weile und atmeten diese Luft ein, in der wir gleichzeitig ozeanische Brise und bergischen Wind spürten. Schade, dass wir keinen Vorrat dieser wunderbaren Komposition mitnehmen konnten. Wir setzten unsere Fahrt fort und hielten alle paar Kilometer an. Die Ausblicke waren so herrlich, dass wir sie unbedingt fotografieren mussten. In diesen abendlichen Stunden verfärbten sich Steinen und Pflanzen weiter. Das gelbe Gestein wurde zu Gold, die bräunlichen Büsche erschienen in kräftigem Rot. Unser Ziel, den Pico del Teide konnten wir leider nur von ferne betrachten. Die Zeit reichte nicht. Wir mussten uns beeilen. Es war 18 Uhr und wir hatten noch einen langen Weg vor uns. Unsere Fähre nach Agaete fuhr um 20:30 Uhr los. Aus dem sonnigen Berggebiet, auf etwa 2000 m Höhe, fuhren wir jetzt Richtung Nordküste. Die Landschaft veränderte sich wieder. Wir versanken plötzlich in dichten Wolken. Feuchter Nebel, kurvige Straße und dicht mit Kiefern bewachsene Hügel. Überall grün und frisch. Wo war die trockene Ostküste geblieben? Was für ein Unterschied. Nach etwa 50 Minuten erreichten wir fast den Meeresspiegel. Die Wolken blieben hinter uns. Wir fuhren wieder auf der Autobahn. Nach einer halben Stunde Fahrt schlossen wir einen weiten Kreis, wir waren wieder in Santa Cruz de Teneriffa. Der Hafen war leicht durch ein interessantes Gebäude zu erkennen. Es mochte ein Opernhaus sein, das die Form eines geneigten Blattes hatte. Es war schon dunkel und wir mussten uns noch Bordkarten für die Rückfahrt besorgen. Erschöpft, aber mit unvergesslichen Eindrücken saßen wir auf der Fähre der Fred. Olsen Company. Es war ein langer, anstrengender Tag, der sich aber in vielfacher Hinsicht auszahlte. Meine Meinung über Teneriffa hat sich völlig geändert. Noch nie haben wir solche Landschaft gesehen. Sie war wild und gleichzeitig schön. Im Wagen, auf dem Weg zum Hotel, teilten wir unsere Erinnerungen und versprachen einander, irgendwann nach Teneriffa zu fahren.

Krzysztof Jarzebinski, Aleksandra David