TULPEN

Der April in diesem Jahr wirkte nicht besonders einladend, um eine Reise zu unternehmen. Der Frühling kam widerwillig, verzögernd. Vielleicht entschlossen wir uns auch deswegen, dass es besser wäre, irgendwohin zu fahren, als sich der Berliner Melancholie auszusetzen. Schon seit langem wartete die Einladung einer Freundin aus Den Haag in Holland auf uns. Wir entschieden uns Ostern bei ihr zu verbringen, vor allem, weil dass die Zeit ist in der dort die Tulpen blühten, die auch das farbenfrohe Symbol des Landes sind. Während wir auf den Landstraßen der flachen, ehrlich gesagt ein bisschen langweiligen Landschaft herum schweiften, schauten wir gespannt umher. Enttäuscht stellten wir fest, dass keine Tulpen zu sehen waren. Nachdem wir unser Ziel erreicht hatten, musste sich die Gastgeberin unsere Beschwerden und Vorwürfe anhören. Als Antwort sagte sie nur ein Wort: Lysse. Am nächsten Tag fuhren wir in Richtung des empfohlenen Ortes. Und nach einigen Kilometern geschah ein Wunder. Das waren keine einzelnen Blümchen oder Beete. Das, was unsere Augen erblickten, waren Hektar voll von Tulpen, Hyazinthen, Narzissen und Jonquillen, die sich in bunten Streifen angeordnet bis an der Horizont erstreckten. Wie bezaubert beobachteten wir mit innengehaltenem das Schauspiel. Es war einzigartig, unwiederholbar. Die uns verfolgte Tristesse verschwand. So soll wahrscheinlich eine Farbtherapie wirken. Plötzlich drang in das vollkommene Bild ist ein fremdes Element ein, das Naturwunder zerstörte. Ein Profan mit einem Eimer in der Hand stapfte in diesem Blumenmeer. Er beugte sich immer wieder und warf etwas in seinen Eimer. Die Erklärung unserer Freundin verblüffte uns noch mehr. Es war ein einfacher Bauer. Seine Aufgabe war es jede defekte Blume zu beseitigen. Das Recht zu wachsen hatten nur gesunde, wohlgebaute Exemplare. Es handelte sich um eine Tulpenzüchtung, die zur Massenerzeugung von Blumenzwiebel angelegt war. Keiner durfte diese Blumen pflücken. Sie hatten keine Chance irgendein Haus zu beschmücken. Desto mehr sättigten wir unsere Augen an diesem Naturspektakel. Al wir uns auf den Rückweg machten, nahmen wir einige Filme mit den festgehaltenen Farben und natürlich obligatorisch gekaufte Tulpenzwiebeln mit.

Aleksandra David