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1. Nach einem ungefähr eine halbe Stunde dauernden Mittagsschlaf erzählte er, daß er im Traum in dem Augenblick, als er den Schlag der Tür im weißgestrichenen Raum, der er auf eine Frau wartend den Rücken zukehrte, vernahm, dachte, daß, wenn er sich jetzt umdrehte, er nicht der von ihm erwarteten Frau, sondern einem Stück Käse in Größe der von ihm erwarteten Frau gegenüberstünde, eine Vorstellung, die ihn so sehr betrübte, daß er dem darauffolgenden Gespräch, das er mit der von ihm erwarteten Frau führte, die tatsächlich und in der ihr üblichen Erscheinung eingetreten war, nur ohne wirklich geistige Wachheit folgen konnte. Als er nach dieser Verabredung, wieder heimgekehrt, in Meyers Konversationslexikon, da er keine Käsefibel besaß, die von ihm erdachte Käsesorte bestimmte, erkannte er diese als einen Schabziger, 45 % Fett, nach Steinklee schmeckend, Herkunftsland Schweiz. Nachdem er diesen Traum erzählt hatte, äußerte er noch zu befürchten, nie mehr an eine Frau denken zu können, ohne sie in seiner Vorstellung als ein Stück Käse zu sehen. 4. Ein Komponist, der an einem Sonntagvormittag zu einer Ausstellungseröffnung in eine städtische Galerie eingeladen worden war, um im Rahmen des Eröffnungsprogramms eine seiner neuen Kompositionen für Klavier vorzuspielen, hatte, da er sich schon mehr als eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn in den Expositionsräumen aufhielt, die Gelegenheit, die eintreffenden Gemäldegaleriebesucher zu beobachten. Nachdem er bald festgestellt hatte, daß jeder der insgesamt ungefähr 120 Besucher nach Betreten des Raumes jeden der schon Anwesenden auf den Mund küßte, beschämte es ihn, da dies ohne Zurückhaltung und mit einer flüchtigen Routine geschah, umso mehr zu bemerken, daß er der einzige zu sein schien, den man nicht auf diese Weise begrüßte. Erspielte sein Stück an diesem Tag trotzdem recht anständig, und es wurde ihm angemessene Aufmerksamkeit zuteil. 5. Eine Reisende, die während der Sommermonate mit dem Reisezug durch die Republik reiste, um das Schöne ihres Landes zu sehen und es als schön zu benennen, buchte einen Fenstersitz und jedesmal, wenn sie etwas Schönes sah, eine schöne Kirchturmspitze, eine schöne Baumgruppe, eine schöne Burgruine, eine schöne Gruppe Rehe, eine schöne Bergkette, ein schönes Rosenbeet, einen schön gelegenen Gottesacker, einen schönen Verlauf eines Flusses, tippte sie mit dem Zeigefinger gegen die Fensterscheibe und sagte: Welch eine schöne Kirchturmspitze! Welch eine schöne Baumgruppe! Welch eine schöne Burgruine! Welch eine schöne Gruppe Rehe! Welch eine schöne Bergkette! Welch ein schönes Rosenbeet! Auf diesem Gottesacker möchte ich begraben werden! Welch ein schöner Verlauf eines Flusses! Sie benannte nie einen Menschen und beendete, war es doch ein zu schöner Sommer, die Reise vorzeitig schon Mitte August. 9. Ein Mann klagte einem anderen Mann: Wenn er in einem Straßencafe sitze, wo er die Leute, die da vorbeikommen können, vom Sehen her kenne, weil es sein Stammstraßencafe sei, und so einer komme dann vorbei und grüße in seine Richtung und er grüße zurück, weil er glaube, er sei gemeint, obwohl er sich wundere, daß der, den er doch nur vom Sehen her kenne, so freundlich zu ihm herübergrüße, und er in dem Moment, in dem er lächle und die Hand hebe oder auch etwas Freundliches zum Gruß sage, merke, daß nicht er gemeint sei, sondern jemand anderer, der hinter ihm an einem anderen Tisch sitze, dann sei ihm das sehr peinlich. Wenn der es nun aber merke, daß er ihn grüße, sei es auch dem peinlich, weil der denke, er kenne ihn nicht nur vom Sehen, sondern besser, und dann noch einmal grüße, was nun ihm gelte, denke er dann, wenn auch nicht wirklich, aber aus Vorsicht, daß dies sicher für jemanden anderen sei, und grüße kein zweites Mal. An manchen Tagen sitze er den ganzen Nachmittag in seinem Straßencafe und das passiere dann drei‑ oder viermal, was ihn, wenn auch nicht vernichte, so doch sehr deprimiere. |