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unverhoffte sinnlichkeit
wohnt schöner, eßt besser, zieht euch kostbarer an (Marie Luise Kaschnitz)
wir, ausländer des gefühls, irren
in diesem land, dessen straßen
so belebt wirken, so ausgeputzt. aber
da stimmt etwas nicht, eine kleine irritation
als hätten sich die bewohner verkühlt
am unwirschen wetter, an der un
wirtlichkeit ihres reichtums. zweifellos
ist er vorhanden, in den läden greifbar
zu bestaunen auf offener straße, embleme
von kleidung und fahrzeugen. man hört sie
mein-150-euro-turnschuh sagen
mein-mercedes-das-bin-ich.
wir, ausländer des gefühls, verlieren
uns in unverhoffter sinnlichkeit.
im bus jenseits des flusses
am morgen über die oder-
brücke / klares licht das sich
auf die müden gesichter legt
aus den vorüberziehenden häusern
steigt rauch zur begrüßung
bezeichnet die atemwege
und führt zu dem zustand den einige mit
rausch vergleichen andere mit
dem ersten thermodynamischen gesetz
die puppe im paket
aus dem fenster eine landschaft
unbändiges grün im stakkato
vorbeigeschobene kulissen
beim anrucken des zuges
drei damen die das kreuz schlagen
als sei es die letzte fahrt
im jenseits: eine schülergruppe
in sportkleidung und mit blicken
als probten sie zukunftsmusik
und du beargwöhnst deine vergangene solidarität:
die lieblingspuppe im paket nach polen
ohne wissen von dem empfänger
der garten von prÛhonice
für klára humhalová
im beton der die stadt
umsäumt / benutzten wir zigaretten
statt der abschiedshülsen
der fluß war weit und er floß unaufhörlich
zu der stunde / als ein kind ertrank
traten wir aus deinem zimmer in das ende
der zersplitterten stadt / ich kaufte haß
aus papier bei den straßenjungen
und du zerschnittest zeichenblöcke
darauf striche / in schwarz
deines geliebten gartens aussicht
und das sich ihm bedrohlich nähernde
danzig, die spiegelung
einer münze im flächigen wasser
bei windstille an neptuns brunnen:
der mürrische gott der auffahren will
um dich mit dem dreizack nautik zu lehren
denn er teilt das gewässer
in das dort die weichsel, hier die mottlau rinnt
und am kai führst du buch über freunde
wie schiffe auf havarie
und wir spazieren unter dem tor
mit den anderen touristen
ich esse ein eis und du übst dich
in zischlauten
queetz
das licht so grell
daß die äste aufweichen
das haus am teich
stroh ein hahnenfuß
in der faust wechseln beeren
ihre konsistenz: blutungen
du verbrenntest dir die finger
wie daunen am schlachttag
ein füllen am gatter
das deine zukunft nicht teilen wird
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