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GORDISCH 2 2002 130x170 Acryl auf Lwd.
SCHATTEN 2002 120x50 Acryl auf Lwd.
STACHELDRAHT 2002 120x100 Acryl auf Lwd.
GORDISCH 1 2002 100x80 Acryl auf Lwd.
ZENTRUM 2002 115x140 Acryl auf Lwd.
FÜNF 2002 140x115 Acryl,Bleistift auf Lwd.
BERÜHRUNG 2002 170x130 Acryl,Kunstharzlack auf Lwd.
OHNE TITEL 2002 170x130 Acryl auf Lwd.
FREMDKÖRPER 2002 170x130 Acryl auf Lwd.
STANDORT 97/02 100x80 Acryl,Ölkreide auf Lwd.
ANNÄHERUNG 2002 80x100 Acryl auf Lwd.
TRANSFER 2002 170x260 Acryl auf Lwd. |
Waren die Bilder von Albert Merz früher von Menschen, Hunden, Leitern, Gegenständen beherrscht, so zeigen sie sich heute eher in überwiegend abstrakter Bildsprache. Dennoch empfinden wir sie keineswegs als fremd und unverständlich, sondern eher als beruhigt und sortiert, in eine neue und dennoch vertraute Form transponiert. Die gleiche zurückhaltende Farbigkeit des Grundes wird wie ehedem von graphischen Elementen dominiert, die aber nicht wie zuvor nur mit der leicht zu verwischenden Kohle gezeichnet, sondern mit lockerem Pinselstrich gemalt sind. Das nach wie vor häufig genutzte Doppel, sei es nun als Diptychon oder als Zweiteilung im Bilde, bleibt ein wiederkehrendes Sujet, Positiv-Negativ sind Grundlage der dynamischen und doch ausgewogenen Komposition, die sich entweder streng im Rahmen hält oder auch ganz deutlich über diesen hinausweisen kann. Kühne Überschneidungen deuten ein sich außerhalb des Bildgevierts ausdehnendes Geschehen an. Das Bild wird zum Guckloch ins Universum. Die Bilder haben nichts Hermetisches, sondern ganz im Gegenteil etwas Kommunikatives. „Wer dort?“, so der Titel eines Doppelbildes, das Kreise, Schnüre über Vergitterungen und fliegenden Fetzen enthält und an ein Kindertelefon erinnert; diese Frage scheint sich auch dem Betrachter zu stellen und die Antwort ist sicherlich nicht immer eindeutig; aber antworten tun diese Bilder stets. In der Farbgebung, auch in der Zeichnung natürlich, herrscht Transparenz. Dadurch wird der Eindruck des Schwebenden und Transitorischen erreicht, auch des wie zufällig Gefundenen, Gitter, Linien mit Punkten und Überschneidungen wirken wie die Beschreibungen eines Lebensweges: Ortssuche, Umwege und Leitlinien, Stationen auch. Reflexionen, Umkreisungen, Annährungen, Bewegung und Verwischungen sind charakteristische Merkmale der Kunst von Albert Merz, die sich wie ein organisches Gewächs verhält, das sich aus nie versiegender Fülle speist. Merz liebt Metaphern. Jetzt sind es außer dem Gitter der Stachelbalken, der Turm, der Berg, die Spirale, der Kreis, elementare Zeichen, die weniger der Realität als der Psyche und Mythologie verbunden sind. Ganz selten gibt Merz seinen Bildern Titel, obwohl sie für ihn durchaus mit einer bestimmten Bedeutung behaftet sind. Er will dem Kunstwerk seine Offenheit belassen, die fern vom nur Individuellen und Eindeutigen liegt. Es gibt das Chaotische, es gibt das Kosmische bei ihm; aber letztlich sucht er doch die Ordnung, die er auch durch das Einfügen konstruktiver, geometrischer Elemente herzustellen vermag. Schließlich kommt auch die Schrift hinzu, allerdings in der für viele heute nicht mehr lesbaren Sütterlinschrift. Dies dient seiner Neigung zur Verschlüsselung, die Inhalte erst bei näherer Betrachtung und Durchforschung erkennbar werden lässt. In den allerjüngsten großformatigeren Arbeiten verbindet sich die Fotografie der Malerei im Diptychon. Es ist allerdings nicht die gewöhnliche Fotografie, sondern eine malerische Form der digitalen Fotografie, die mithilfe eines Strahlendruckers auf den Holzuntergrund aufgetragen wird, Das reale Objekt nimmt so wieder Eingang in die Magie der Bildwelt und wird dadurch wiederum selber magisch. Gerade die einfachen Formen einer Schaufel zum Beispiel, eines Hauses, eines Trichters, werden so zum Ornament, wie auch zum Bedeutungsträger. In ihrer nutzlosen Isolation oder gar in der ebenso nutzlosen Verdoppelung bekommen sie eine Rätselhaftigkeit, der die Phantasie des Betrachters ausgesetzt ist. Angeregt durch die Nachbarschaften in der anderen Bildhälfte, die zumeist abstrakt oder zumindest ebenso vieldeutig sind, wird der Betrachter zu tief- oder auch abgründigen Spekulationen verführt. Der Weg führt immer fort von der Oberfläche in die Tiefe, bildräumlich wie gedanklich. Dennoch stimmt die Mehrzahl der Bilder eher heiter. Die Tragödie des Menschen oder des Lebens, die ja auch in ihnen verhandelt wird, ist mit einer spielerischen Leichtigkeit ins Visier genommen, ohne deshalb oberflächlich zu wirken. Miktokosmen und Makrokosmen stehen nebeneinander, Weltlandschaften und Seelenlandschaften, Licht und Schatten. Auch eine gleichsam alchemistische Freude am Vereinen des Unvereinbaren, um ein größeres Ganzes zu erschaffen, wird in den Bildern spürbar. Es geht dabei nicht um surrealistische oder gar dadaistische Nonsens- und Zufallszusammenstellungen, sondern schon um Sinnzusammenhänge, die sich aus den Gegenüberstellungen oder Verschmelzungen ergeben. Dies führt ins Reich der Psyche und des Unbewussten, der bildlichen Erinnerung aus uralten Zeiten, so wie sie zur Zeit der Entstehung der Welt und des Menschen vorstellbar ist. Die Sicht ins Innere verbindet sich den der Natur entlehnten Formen, Amorphes Strukturiertem, Festes Fließendem, Spiralen und Labyrinthe bündeln Energien, erzeugen einen Sog der Kräfte, die in allen Bildern nahezu körperlich präsent sind. Die Kunst von Albert Merz hat in aller Konsequenz eine große Eigenständigkeit behalten und lässt sich schwer in gängige Kunstströmungen einreihen. Bei aller Verschlüsselung spricht sie doch sehr persönlich zum Betrachter. Sie zitiert weniger vergangene Kunst wenn nicht die eigene -, als manchmal geradezu naiv anmutende Gegenstände. Der Begriff des Archaischen drängt sich dabei auf. Das Geistig-Intellektuelle verbindet sich dem Sinnlich-Natürlchen. Einklang stellt sich her, oder vielleicht besser: Zusammenklang. Das Dargestellte bezieht sich nur indirekt auf Realität. Eher erscheint es wie Erinnerung an etwas Mnemosyne Traumbilder. So sie im Traum Bekanntes und Fremdestes aufeinanderstoßen, sich verschleiert oder uns ganz aggressiv anspringt, so vermischen sich in den Bildern die Bewusstseinsebenen, durchkreuzen oder begleiten einander. Es gibt kaum etwas, das sich nicht im nächsten Augenblick in ein anderes verwandeln oder sich unserem Blick entziehen könnte. Die Elemente Wasser und Luft liegen näher als Feuer und Erde. Fließen, Schweben, das sind Zustände, in die die Bilder wie häufig eben auch der Traum uns verstehen können. So erweist sich die Malerei, auch ganz ohne den Einsatz eines Computers, in der Lage, uns in eine virtuelle Welt zu transporieren, deren Realität nicht nur eine künstliche, sonder auch und vor allem eine künstlerische ist. Sollte man Albert Merz mit einem Wanderer durch die Welt vergleichen, so würde man ihn wohl am liebsten als Flaneur bezeichnen, der sehr ruhig und beständig, wachsamen Auges durch die Sphären schreitet, an Abgründen vorbei, diese wohl erblickend und betrachtend, aber niemals hineinstürzend. Davor bewahrt ihn nicht zuletzt auch seine positive Ironie, die mehr zum Humor als zum bissig Kritischen neigt. Die Zeit der Reife ist angebrochen. Ursula Prinz Einzelausstellungen (Auswahl) 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 |
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