 |
ich stehe auf, um zu fühlen
wie das Lachen der Sonne sich in das Herz brennt
wie das Rauschen des Regens mit den Tränen Walzer tanzt
wie die Liebe wächst, unaufhaltsam und hysterisch
ohne Kompromisse die Stärke der Seele entblößt
Anna wollte nie erwachsen werden. Auf die Frage, was dies denn zu bedeuten hätte, schaute sie an mir vorbei, um die unsichtbare Welt ihrer Sehnsüchte einzusaugen. Dies besiegelte sie mit einem mir fremden Lächeln.
Anna lächelte nicht oft. Sie sagte, wenn du in dieser Welt zu oft lächelst, könntest du genauso gut behaupten, dass der Himmel immer blau ist, dass der Sommer nie vergeht oder dass die Liebe keine Grenzen kennt. Anna sagte, traue nicht den Menschen, die immer lächeln. Es wären Betrüger, die zu armselig wären, um ihr selbsterfundenes Spiel zu durchschauen.
In solchen Momenten fing sie an, mit ihren Händen zu spielen. Mal waren es die Haare, Mal strich sie ihre Hose glatt. Es sah fast so aus, als wenn sie ihren Händen immer wieder einen Sinn zuteil kommen lassen musste, während sie tiefer in ihre Welt kroch. Als wenn sie in ihren geistigen Momenten Panik vor der Schwerelosigkeit kriegen würde. Sie klammerte an ihrer Körperlichkeit, es war schließlich der einzige, wahre Grund.
Ich wusste, sie hatte Recht. Ich wusste es, jedoch behauptete ich stets das Gegenteil. Ich sträubte mich schon seit wir Kinder waren, in ihren hohen Turm ohne Boden zu springen. Ich hätte mich verloren- und sie hätte mich nicht gehalten.
Heute wirkte Anna wie ein Kind, dass zu viel gesehen hatte. Ihre Gefühle wollten zu Worten werden, sie wollte raus, raus, fand aber keinen Weg, da sie nur ein Kind war, dass zu viel gesehen hatte.
Wir saßen beide auf dem Doppelbett, die Dämmerung schlich sich durch das Fenster ein und zog ihre Kreise. Anna und ich waren verschworen. Die Dämmerung fügte unsere jungen Seelen zu einem zärtlichen Kampf zusammen. Ihre Hände tanzten, ihre Worte zielten, unsere Blicke trafen sich widerspenstig.
Ich wusste, sie erwartete nichts von mir, ich genügte.
Und wenn sie meinte, dass sie nie erwachsen werden wollte, genügte ich ihr auch. Und wenn sie meinte, sie wäre jetzt gern Franny im Hotel New Hampshire, sie hätte lieben gern ihren Ausdruck, denn das sei die nötige Waffe zum Überleben, so genügte ich ihr auch.
Anna beschloss zu flüchten, doch ich sollte ihre Hand halten, Ich fragte mich, wie ihr Händedruck sein würde. Ihr Mut brauchte Ehrlichkeit. Ich wusste.
Und Anna lächelte.
|